BOBGREY
STUDIO
EST.
2019
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Warm Audio – Throne Of Tone: Die Rückkehr zweier Klassiker.

Warm Audio kennt man vor allem aus dem Studiobereich. Die Firma hat sich einen Namen damit gemacht, klassische Mikrofone, Preamps und Kompressoren möglichst originalgetreu nachzubauen, ohne die typischen Boutique‑Preise aufzurufen.

Die Philosophie ist dabei immer dieselbe: bewährte Studiowerkzeuge aus vergangenen Jahrzehnten so authentisch wie möglich reproduzieren und gleichzeitig für Musiker und Produzenten bezahlbar halten.

Seit einiger Zeit überträgt Warm Audio dieses Konzept auch auf Gitarrenpedale. Das Throne of Tone ist eines dieser Pedale und orientiert sich an zwei der bekanntesten Overdrive‑Klassiker, die beide auf dem Bluesbreaker‑Sound der frühen 90er basieren.

Throne of Tone – Top

Das Throne of Tone ist ein zweikanaliger Overdrive, der sich an zwei sehr bekannten Pedalen orientiert, die beide auf dem Bluesbreaker‑Sound der frühen 90er basieren.

Warm Audio hat sich dabei nicht für eine feste Kanalzuordnung entschieden, sondern jedem Kanal die Möglichkeit gegeben, zwischen den beiden Voicings umzuschalten.

Dadurch lässt sich das Pedal sehr flexibel einsetzen, weil beide Seiten entweder klassisch offen und dynamisch oder dichter und komprimierter abgestimmt werden können.

Throne of Tone – Front

Jeder der beiden Kanäle verfügt über drei kleine Kippschalter, mit denen sich das Verhalten sehr gezielt anpassen lässt. Der erste Schalter legt fest, ob die jeweilige Seite als Boost, Overdrive oder Distortion arbeitet. Damit kann man den Charakter von sehr transparent bis hin zu deutlich komprimiert und gainstark einstellen.

Der zweite Schalter bestimmt das Voicing und erlaubt die Wahl zwischen zwei klassischen Overdrive‑Charakteren: dem Marshall‑Bluesbreaker‑Mk1‑Voicing und dem späteren Boutique‑Voicing, das man vom King of Tone kennt. Beide Kanäle können unabhängig voneinander auf eines der beiden Voicings gestellt werden, was das Pedal deutlich flexibler macht als viele andere Dual‑Overdrives.

Der dritte Schalter regelt die Präsenz und beeinflusst die Höhen und die Attack. Je nach Stellung wirkt der Kanal etwas brillanter oder runder, was vor allem bei unterschiedlichen Amps oder IR‑Ketten hilfreich ist.

Throne of Tone – Back

Oben auf dem Pedal befindet sich ein weiterer Kippschalter, der die Reihenfolge der beiden Kanäle bestimmt. Damit lässt sich festlegen, ob das Signal zuerst durch Kanal 1 und dann durch Kanal 2 läuft oder umgekehrt. Diese Möglichkeit ist in der Praxis sehr hilfreich, weil man so entscheiden kann, welcher Charakter den Grundsound bildet und welcher darauf aufbaut.

Die drei Regler pro Kanal sind klassisch gehalten und lassen sich intuitiv bedienen. Der Gain‑Regler bestimmt den Verzerrungsgrad und reicht je nach Modus von einem sehr dezenten Anzerren bis hin zu einem deutlich gesättigten Overdrive oder einer komprimierten Distortion.

Der Tonregler arbeitet musikalisch und greift nicht zu hart ein, sodass man den Charakter gut an verschiedene Amps oder Lautsprecher anpassen kann, ohne dass der Klang unnatürlich wirkt.

Der Volume‑Regler ist besonders feinfühlig ausgelegt. Damit lassen sich die beiden Kanäle sehr präzise aufeinander abstimmen, was bei Dual‑Overdrives nicht selbstverständlich ist. Sowohl dezente Pegelanhebungen als auch deutliche Lautstärkeunterschiede lassen sich problemlos einstellen, ohne dass der Regelweg zu sprunghaft oder unkontrolliert wäre.

Zwischen den beiden Kanälen gibt es außerdem die Möglichkeit, ein weiteres Pedal einzuschleifen. Dadurch lässt sich das Throne of Tone wie ein kleiner modularer Signalweg nutzen, in dem man beispielsweise einen Booster, ein Fuzz oder einen EQ genau zwischen die beiden Overdrive‑Sektionen setzen kann.

Throne of Tone – Setup

Der Schalter „Voltage Boost – Off/On“ erhöht intern die Betriebsspannung des Pedals. In der Stellung Off arbeitet das Throne of Tone im normalen 9‑Volt‑Bereich mit etwas mehr Kompression. In der Stellung On steht mehr Headroom zur Verfügung, der Klang wird offener, straffer und reagiert noch dynamischer auf Anschlag und Volume‑Regler.

In der Praxis zeigt sich das Throne of Tone vor einem Peak‑Amp als vielseitiges und gut kontrollierbares Overdrive‑Werkzeug. Die beiden Voicings unterscheiden sich deutlich genug, um zwei klar getrennte Charaktere abzubilden, ohne dass einer davon unnatürlich wirkt oder sich im Mix verliert.

Der Bluesbreaker‑Mk1‑Modus liefert einen offenen, dynamischen Crunch, der stark auf Anschlag und Volume‑Poti reagiert, während das King‑of‑Tone‑Voicing dichter, mittiger und komprimierter arbeitet und sich dadurch gut für singende Leads oder fokussierte Rhythmusparts eignet.

Besonders positiv fällt auf, wie gut das Pedal auf den Volume‑Regler der Gitarre reagiert. Selbst stärker verzerrte Einstellungen lassen sich sauber zurücknehmen, ohne dass der Klang dünn oder brüchig wird. Dadurch kann man viele Sounds direkt über die Gitarre steuern, was das Pedal sehr spielfreundlich macht.

Was mich persönlich überrascht hat, ist, wie selbstverständlich sich das Pedal in meinen Signalweg eingefügt hat. Ich hatte nicht erwartet, dass ein Dual‑Overdrive in dieser Preisklasse so präzise auf Anschlag und Volume‑Regler reagiert und dabei so klar zwischen den beiden Voicings unterscheidet.

Auch die drei Betriebsarten pro Kanal machen sich im Alltag bemerkbar. Der Boost‑Modus eignet sich hervorragend, um den Amp oder ein vorgeschaltetes Pedal subtil anzuschieben, während Overdrive und Distortion je nach Einstellung von leichtem Anzerren bis hin zu kräftigem Sustain reichen.

Durch die Möglichkeit, die Reihenfolge der beiden Kanäle umzuschalten, lässt sich das Pedal gut an unterschiedliche Spielweisen anpassen, etwa wenn man einen offenen Grundsound bevorzugt und darauf einen komprimierteren Lead‑Sound aufbauen möchte.

Fazit

Im Ergebnis hinterlässt das Throne of Tone einen sehr ausgereiften Eindruck. Die Kombination aus zwei unabhängig konfigurierbaren Kanälen, den beiden klassischen Voicings und den drei Betriebsarten pro Seite macht das Pedal deutlich vielseitiger, als man es auf den ersten Blick erwarten würde.

Die Möglichkeit, die Reihenfolge der Kanäle umzuschalten und ein weiteres Pedal dazwischen einzuschleifen, erweitert den praktischen Nutzen zusätzlich. Vor einem ehrlichen Amp wie dem Peak zeigt sich, dass das Pedal sowohl dynamische Crunch‑Sounds als auch fokussierte Lead‑Voicings überzeugend abbilden kann und dabei sehr gut auf Anschlag und Volume‑Regler reagiert.

Wer nach einem flexiblen Overdrive sucht, der zwei bekannte Klassiker in einem Gerät vereint, findet hier eine durchdachte und musikalische Lösung. Mittlerweile bin ich ein bisschen Fan von Warm Audio geworden. Ich habe noch andere Pedale und bin durchweg zufrieden.

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