Snake Oil Fine Instruments – The Very Thing & Marvellous Engine

Snake Oil Fine Instruments ist ein Projekt von Rob Chapman, den viele aus den Andertons‑Videos kennen, gemeinsam mit Zach Broyles von Mythos Pedals. Schon das erklärt, warum die Pedale optisch wirken, als hätte man sie aus einem Steampunk‑Filmset oder direkt aus Mad Max herausgezogen.​

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Kupfer, Patina, verspielte Beschriftungen, eine Mischung aus Jahrmarkt‑Alchemie und Endzeit‑Ästhetik. Das ist auffällig, charmant und bewusst überzeichnet. Die Frage ist nur, ob der Klang mit der Optik mithalten kann.

Ich habe mir beide Pedale – The Very Thing (Overdrive) und Marvellous Engine (Distortion) – ausführlich vorgenommen und sie in verschiedenen Situationen getestet.

The Very Thing – Overdrive

The Very Thing

The Very Thing ist ein Overdrive mit drei Reglern: Gain, Volume und Tone. Die Bedienung wirkt vertraut, aber die Abstimmung ist ungewöhnlich, vor allem im Höhenbereich.

Gain

Der Gain‑Regler liefert einen moderaten Overdrive. Im unteren Bereich bekommt man ein leichtes Anzerren, das gut auf Anschlag reagiert. Ab der Mittelstellung wird der Sound dichter, bleibt aber dynamisch. Voll aufgedreht erreicht man einen kräftigen Crunch, aber keine Distortion. Der Charakter bleibt immer offen und reagiert gut auf die Gitarre.

Volume

Der Volume‑Regler hat viel Headroom. Man kann das Pedal problemlos über Unity Gain hinausfahren, ohne dass es komprimiert oder matschig wird. Für Boost‑Anwendungen ist das hilfreich, weil man den Pegel sehr fein anpassen kann.

Tone

Der Tone‑Regler ist der auffälligste Punkt des Pedals. Er hat extrem viel Treble‑Reserve. Ich musste ihn tatsächlich komplett herunterdrehen, um eine neutrale Ausgangsbasis zu bekommen. Ab etwa 9 Uhr beginnt der Klang deutlich heller zu werden, und ab 12 Uhr ist man bereits in einem Bereich, der sich nur für sehr dunkle Amps eignet. Der Regler arbeitet aber musikalisch. Ganz unten klingt das Pedal warm und rund, ohne dumpf zu werden. Weiter oben wird es sehr präsent, fast schon bissig.

Klangcharakter

Vor einem Clean‑Amp klingt das Pedal offen und direkt, aber etwas hell. Vor einem Crunch‑Amp funktioniert es deutlich besser. Hier verdichtet es den Grundsound, ohne ihn zu überlagern. Als Solo‑Boost hebt es die Mitten an und setzt sich gut durch, ohne den Amp zu verbiegen.

Fazit

The Very Thing ist ein flexibler Overdrive mit viel Höhenpotenzial und einem dynamischen Grundcharakter. Er eignet sich gut als Boost oder als Ergänzung zu einem bereits angezerrten Amp.

Marvellous Engine – Distortion

Marvellous Engine

Das Marvellous Engine ist ein Distortion‑Pedal mit vier Reglern: Gain, Volume, Tone und Voice. Der Voice‑Regler ist hier das zentrale Element, weil er eine zweite Clipping‑Stufe aktiviert und den Charakter deutlich verändert.

Gain

Der Gain‑Regler liefert eine breite Palette. Von einem mittleren Crunch bis hin zu einer satten Distortion ist alles möglich. Der Grundcharakter erinnert an eine RAT‑Interpretation, aber breiter und weniger nasal. Der Sound bleibt auch bei höheren Gain‑Einstellungen definiert.

Volume

Der Volume‑Regler hat viel Headroom. Man kann das Pedal problemlos über Unity Gain hinausfahren, ohne dass es komprimiert oder matschig wird. Der Regelweg ist gut dosierbar.

Tone

Der Tone‑Regler arbeitet eher moderat. Er verändert den Charakter, aber nicht so drastisch wie bei vielen anderen Distortion‑Pedalen. Die eigentliche Höhenöffnung passiert über den Voice‑Regler.

Voice

Der Voice‑Regler ist das Herzstück des Pedals. Er aktiviert eine zusätzliche Clipping‑Stufe und verändert den Sound deutlich. In niedrigen Einstellungen klingt das Pedal dichter, mittiger und kompakter. In mittleren Einstellungen wird es offener und präsenter.

In hohen Einstellungen wird es aggressiver, bissiger und bekommt mehr Attack. Das Pedal hat dadurch zwei klar unterscheidbare Gesichter: einen klassischen, mittigen Distortion‑Sound und eine modernere, schärfere Variante.

Klangcharakter

Vor einem leicht angezerrten Amp funktioniert das Pedal am besten. Es verdichtet den Grundsound, ohne ihn zuzukleistern. Für rhythmische Riffs liefert es gute Definition, ohne steril zu wirken. Für Leads bekommt man ausreichend Sustain, aber keine cremige Boutique‑Färbung.

Verarbeitung

Beide Pedale sind in UK gebaut und wirken mechanisch zuverlässig. Die Schalter und Potis laufen sauber, die Gehäuse sind stabil. Die Optik selbst ist ein echter Hingucker. Man erkennt die Pedale sofort, und sie wirken wie kleine Kunstobjekte.

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Fazit

Nach einigen Tagen mit beiden Pedalen komme ich zu einem klaren Ergebnis. The Very Thing ist ein flexibler Overdrive mit viel Höhenreserve und guter Dynamik.
Das Marvellous Engine ist ein Distortion‑Pedal mit zwei klar unterscheidbaren Charakteren, das sich gut an verschiedene Amps anpassen lässt. Beide Pedale funktionieren zuverlässig, klingen gut und haben ihren eigenen Stil.


Aber im direkten Vergleich zu meinen Boutique‑Pedalen fehlt ihnen das gewisse Etwas. Sie liefern solide Ergebnisse, aber keine, die mich wirklich abgeholt hätten oder die sich dauerhaft in meinem Setup behaupten würden. Auf mein Board haben es beide Pedale deshalb nicht geschafft.


Was bleibt, ist ein interessanter Test und die Erkenntnis, dass die Optik der Snake‑Oil‑Pedale definitiv auffällt. Steampunk, Mad Max, Kupfer, Patina – das Design ist einzigartig. Klanglich bleiben sie für mich jedoch eher im soliden Mittelfeld.

Die Pedale werden inzwischen nicht mehr gebaut, und die Marke Snake Oil scheint seit einiger Zeit stillgelegt zu sein. Man bekommt sie nur noch gebraucht, was den Reiz der Optik zwar nicht schmälert, aber eben auch bedeutet, dass es keine Weiterentwicklung oder Unterstützung mehr gibt.

Nautilus Steampunk