Warum ich das Pedal ausprobiert habe
Ich war auf der Suche nach einem Low‑Gain‑Drive, der nicht sofort in klassischen Overdrive‑Charakter kippt, sondern diesen leicht angezerrten Bereich sauber abdeckt. Viele Pedale werden mir dort zu schnell mittig, zu komprimiert oder verlieren die Dynamik. Das Blue Note Select sollte genau diesen Zwischenbereich treffen, also habe ich es getestet.

Erster Eindruck
Beim ersten Einschalten war klar: Das Pedal reagiert direkt und fühlt sich wie ein leicht weiter aufgedrehter Amp an. Kein künstliches Kompressionsgefühl, kein „Pedal‑Sound“.
Ich musste nicht lange suchen, um brauchbare Einstellungen zu finden.
Verarbeitung & Aufbau
Das Pedal kommt im kompakten Format und wirkt robust.
Die vier Hauptregler (Volume, Gain, Tone, Fat) sind klar angeordnet, der Hot‑Schalter sitzt dazwischen. Anschlüsse sind stirnseitig platziert, pedalboardfreundlich.
Gain‑Struktur: Vom Boost bis zum Crunch
Der Blue Note Select deckt folgende Bereiche ab:
- leichter Boost
- milder Crunch
- etwas kräftigerer Crunch
Eingeschaltet liefert das Blue Note Select eine leichte Sättigung, die sich nicht wie ein Effekt anfühlt, sondern wie ein Amp, der gerade anfängt zu arbeiten. Der Ton bleibt klar, reagiert gut auf den Anschlag und folgt dem Volume‑Poti der Gitarre ohne hörbare Sprünge.
Mit Gain im unteren Bereich bekommt man einen sehr dezenten Anschub, der sich gut für rhythmische Parts oder leichte Verdichtung eignet. Dreht man Gain weiter auf, entsteht ein milder Crunch, der nicht in Richtung klassischer Overdrive kippt. Die Kompression nimmt zu, aber der Ton bleibt kontrolliert und setzt sich gut durch. Selbst voll aufgedreht bleibt es ein Low‑Gain‑Pedal, kein versteckter Mid‑Gain‑Drive.
Was der Hot‑Modus wirklich macht
Der Hot‑Modus ist keine zweite Zerre, sondern eine alternative Gain‑Struktur. Er komprimiert stärker, hat etwas mehr Biss und bleibt trotzdem klar im Low‑Gain‑Bereich. Ich nutze ihn, wenn ich ein bisschen mehr Durchsetzung brauche, ohne gleich ein anderes Pedal treten zu müssen. Der Ton wird dichter und schiebt mehr, bleibt aber im gleichen Charakter.

Tone- und Fat‑Regler
Der Tone‑Regler bestimmt beim Blue Note einfach die Höhen. Du kannst ihn fast über den ganzen Weg drehen, ohne dass der Sound plötzlich zu spitz oder zu dumpf wird. Aufgedreht gibt er mehr Präsenz, aber ohne dieses harte Top‑End, das viele Overdrives haben. Zurückgedreht wird der Ton wärmer, bleibt aber klar genug, damit nichts zumacht.
Der Fat‑Regler arbeitet im unteren Mittenbereich.
Er kann den Sound schlanker oder fülliger machen, ohne den Bassbereich aufzublähen.
Mit Singlecoils lässt sich damit gut etwas Substanz hinzufügen, ohne Definition zu verlieren.

Fazit
Das Blue Note Select ist ein Low‑Gain‑Pedal, das sich wie ein natürlicher Amp‑Crunch verhält. Es deckt den Bereich vom leichten Boost bis zum kräftigeren Low‑Gain‑Crunch sauber ab, reagiert gut auf Anschlag und Volume‑Poti und bleibt auch im Hot‑Modus dynamisch.
Tone und Fat reagieren deutlich und lassen sich gut auf das eigene Setup abstimmen. Als Booster liefert das Pedal genug Schub, ohne den Grundsound zu verfärben.
Wer schon mal reinhören möchte:
