Ich bin eher zufällig über das LPD JMP79 gestolpert. Der Hersteller war mir vorher kein Begriff, aber genau das hat mich neugierig gemacht.
Lawrence Petross baut seine Pedale in Mesa, Arizona, und jedes davon soll eine ganz bestimmte Marshall‑Epoche einfangen. Beim JMP79 ist das sogar ein ganz konkreter Amp: sein eigener 1979er Marshall‑Stack.
Das macht das Pedal für mich sofort interessanter als die üblichen Marshall‑Style‑Overdrives, die oft nur eine grobe Richtung abdecken.
Aufbau & Funktionen
Als ich das Pedal zum ersten Mal in der Hand hatte, war ich überrascht, wie hochwertig es wirkt. Das Gehäuse ist massiv, die Potis laufen gleichmäßig und der Soft‑Touch‑Schalter fühlt sich sauber und präzise an.
Die Bedienung ist klassisch und vertraut: Preamp und Master, ein vollwertiger 3‑Band‑EQ, eine Presence‑Regelung und ein dreistufiger Bright‑Schalter. Alles wirkt logisch, direkt und ohne Schnickschnack.
Obwohl „Preamp“ draufsteht, ist das Pedal klar dafür gedacht, vor dem Amp betrieben zu werden. Es verhält sich wie eine kleine Vorstufe, aber nicht wie ein Ersatz für die echte Amp‑Vorstufe.
Klang & Charakter
Klanglich hat mich das JMP79 wirklich überrascht. Der Grundcharakter ist eindeutig britisch, aber nicht überzeichnet. Es klingt nicht nach einer Simulation, sondern nach einem echten Amp, der einfach im Pedalformat steckt. Der Crunch ist offen und organisch, die Mitten haben diesen typischen 70er‑Growl, und selbst bei mehr Gain bleibt die Saitentrennung klar.
Der Preamp‑Regler verhält sich tatsächlich wie eine kleine Vorstufe: von leichtem Crunch bis zu singenden Leads bleibt der Ton definiert und musikalisch. Die Presence‑Regelung greift deutlich ein und verändert Attack und Biss spürbar, und der Bright‑Schalter ist ein echtes Werkzeug, um das Pedal an verschiedene Gitarren und Amps anzupassen.
Rauschverhalten
Auf meinem Board habe ich ein hartnäckiges Grundgeräusch, das ich bisher nicht abstellen konnte. Viele Pedale verstärken das sofort, sobald man sie einschaltet. Das JMP79 macht das nicht. Es bleibt absolut ruhig und verstärkt das vorhandene Geräusch nur minimal. Auch bei höheren Gain‑Einstellungen rauscht es so gut wie gar nicht.
Für ein Preamp‑Pedal dieser Art ist das wirklich bemerkenswert und macht es auch für Aufnahmen interessant.
Praxis vor meinem Peak Composer II (Mesa Boogie Mark IIB Nachbau)
Vor meinem Peak Composer II funktioniert das Pedal hervorragend. Der Amp bleibt eher clean, und das JMP79 übernimmt die Rolle einer kleinen, charakterstarken Vorstufe. Genau so fühlt es sich auch an: wie ein vertrauter Amp, der einfach sofort da ist.
Rhythmus‑Sounds haben Druck und Klarheit, Leads setzen sich gut durch, und die Dynamik ist so ausgeprägt, dass ich viele Sounds allein über das Volume‑Poti der Gitarre formen kann.
Wichtig ist nur: Auch wenn „Preamp“ draufsteht, gehört das Pedal nicht in den Return. Vor dem Amp klingt es deutlich lebendiger, weil es mit der echten Vorstufe zusammenarbeitet.
Zielgruppe
Für mich ist das JMP79 ein Pedal für Spieler, die klassischen britischen Rock‑Ton suchen, aber nicht in die moderne High‑Gain‑Richtung wollen. Es ist ehrlich, musikalisch und reagiert hervorragend auf Anschlag und Spielweise. Wer die späten 70er mag – von knackigem Crunch bis zu singenden Leads – bekommt hier ein sehr überzeugendes Werkzeug, das sich sofort in den Signalweg einfügt.
Preis‑Leistung
Für ein handgefertigtes Boutique‑Pedal mit dieser Ausstattung und diesem Klangcharakter finde ich das Preis‑Leistungs‑Verhältnis sehr gut. Man bekommt hier keinen generischen Marshall‑Clone, sondern eine sehr spezifische, musikalische Interpretation eines 1979er‑Stacks.
Fazit
Das LPD JMP79 ist ein musikalisches, ehrliches und erstaunlich authentisches Overdrive‑Pedal, das den Charakter eines ganz konkreten 1979er Marshall‑Stacks einfängt. Es ist kein modernes High‑Gain‑Pedal, sondern ein klassischer britischer Rock‑Ton mit viel Dynamik, Durchsetzungskraft und einer sehr effektiven Klangregelung. Für mich fügt es sich sofort in den Signalweg ein und fühlt sich an wie ein vertrauter Amp, nur eben im Pedalformat. Wer die späten 70er sucht, bekommt hier ein Pedal, das genau diesen Spirit transportiert.
Und obwohl auf meinem Board wirklich viele hochwertige Pedale stehen, gehört das JMP79 für mich ab jetzt fest dazu.
Wer reinhören möchte: Spielfehler dienen dem KI‑Schutz, also werft bitte mit frischem Obst
