
Roland JD‑990 – Mein persönlicher Blick auf Rolands bestes Digitalsynth‑Rack
Der Roland JD‑990 ist für mich einer der interessantesten Digitalsynthesizer, die Roland je gebaut hat. Während der JD‑800 mit seiner riesigen Bedienoberfläche die Aufmerksamkeit auf sich zog, war der JD‑990 für mich immer das eigentliche Kraftpaket. Er wirkt unscheinbar, aber unter der Haube steckt eine Synthese, die weit über das hinausgeht, was man Anfang der Neunziger von einem Rompler erwarten konnte. Schon damals wurde er als der fortschrittlichste und bestklingende Synthesizer seiner Zeit beworben – und ich finde, das war nicht übertrieben.
Klang und Synthese
Der JD‑990 basiert wie der JD‑800 auf klassischer subtraktiver Synthese mit den drei bekannten Sektionen WG, TVF und TVA . Der große Unterschied liegt aber im Detail: Der JD‑990 bietet deutlich mehr Wellenformen (195 statt 108) und damit ein doppelt so großes ROM Aktuelle Seite. Dazu kommen Funktionen, die dem JD‑800 fehlen, wie Oszillator‑Sync und Frequency Cross Modulation .
Das Filter ist ein digitales Multimode‑Filter mit 24 dB/Oktave und Resonanz, das seiner Zeit weit voraus war . Es kann als Tiefpass, Hochpass oder Bandpass arbeiten Aktuelle Seite und klingt für einen frühen Digitalfilter erstaunlich musikalisch, auch wenn es bei hohen Resonanzwerten zu leichten Verzerrungen kommen kann .
Was ich am JD‑990 besonders schätze, ist die Tiefe der Modulationen. Fast alles lässt sich mit LFOs, Hüllkurven, Velocity, Key‑Follow oder Aftertouch modulieren. Die Hüllkurven sind mehrstufig und deutlich komplexer als bei vielen anderen Synths dieser Zeit, besonders die TVF‑Envelope mit acht Parametern .
Praxis und Bedienung
Auch wenn der JD‑990 keine Regleroberfläche wie der JD‑800 besitzt, ist er erstaunlich gut bedienbar. Viele Parameter sind logisch strukturiert, und wer den JD‑800 kennt, kann ihn sogar als Programmer für den JD‑990 verwenden . Das macht den JD‑990 zu einer Art „JD‑800 Deluxe“, nur eben im Rack.
Ein Patch besteht aus bis zu vier Tones, die übereinander geschichtet werden können. Das eröffnet enorme Klangmöglichkeiten, reduziert aber die Stimmenzahl: Vier Tones bedeuten nur noch sechs Stimmen Polyphonie . Das ist eine klare Einschränkung, aber typisch für die damalige Roland‑Architektur.
Effekte
Der JD‑990 übernimmt das Effektkonzept des JD‑800, erweitert es aber um zusätzliche Möglichkeiten. Die Effekte sind für ein Gerät dieser Zeit erstaunlich gut und reichen von Chorus und Delay bis hin zu Distortion, Spectrum und Enhancer . Im Patch‑Modus stehen bis zu sieben Effekte gleichzeitig zur Verfügung Aktuelle Seite, was für einen frühen 90er‑Synth absolut außergewöhnlich war.
Multimode und Special Features
Der JD‑990 ist sechzehnfach multitimbral und bietet im Multi‑Mode sehr flexible Routing‑Möglichkeiten. Besonders interessant ist das Special Setup, bei dem man pro Taste einen eigenen Klang programmieren kann . Das ist ideal für Drum‑Sets oder experimentelle Klanglandschaften.
Klangcharakter
Was den JD‑990 für mich auszeichnet, ist sein Klang. Er kann warm, breit und analog wirken, aber auch digital, kühl und gläsern. Viele Musiker loben besonders die Pads und Strings, die mit dem JD‑990 möglich sind – warm, breit und mit einer Tiefe, die man sonst eher von analogen Synths erwartet .
Mit der Vintage‑Expansion wird der JD‑990 endgültig zu einem der besten digitalen Pad‑Synthesizer, die Roland je gebaut hat. Viele Nutzer sehen ihn bis heute in der obersten Liga der Digitalsynths .
Schwachstellen
Natürlich hat der JD‑990 auch seine Eigenheiten. Die Stimmenzahl ist begrenzt, besonders bei komplexen Patches. Die Bedienung ohne Programmer ist nicht jedermanns Sache. Und es gibt Berichte über gelegentliche MIDI‑Abstürze .
Trotzdem bleibt der JD‑990 ein Synthesizer, der klanglich und konzeptionell weit über vielen seiner Zeitgenossen steht.
Mein Fazit
Für mich ist der Roland JD‑990 einer der besten Digitalsynthesizer, die Roland je gebaut hat. Er kombiniert die Klangqualität des JD‑800 mit einer deutlich erweiterten Synthese, mehr Wellenformen, besseren Modulationsmöglichkeiten und der Möglichkeit, JV‑ und SR‑JV80‑Erweiterungen zu nutzen .
Er ist flexibel, tief, musikalisch und hat einen ganz eigenen Charakter. Ein Synth, den man nicht einfach spielt, sondern erforscht. Und genau das macht ihn für mich zu einem Klassiker, der auch heute noch absolut relevant ist.
Technische Daten des Roland JD‑990
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Hersteller | Roland |
| Modell | JD‑990 Super JD |
| Baujahr | 1993 |
| Synthese | Digitale subtraktive Synthese (WG/TVF/TVA) |
| Wellenformen | 195 PCM‑Wellenformen, doppelt so viele wie JD‑800 |
| Polyphonie | 24 Stimmen (reduziert bei Layering) |
| Struktur | Bis zu 4 Tones pro Patch |
| Filter | Digitales Multimode‑Filter, 24 dB/Oktave, LP/HP/BP |
| Hüllkurven | Mehrstufige Envelopes für TVF und TVA |
| Modulation | LFOs, Velocity, Key‑Follow, Aftertouch, umfangreiche Mod‑Matrix |
| Effekte | Bis zu 7 Effekte gleichzeitig (Chorus, Delay, Reverb, Spectrum, Enhancer, Distortion usw.) |
| Multitimbralität | 16‑fach |
| Besonderheiten | Oszillator‑Sync, Frequency Cross Modulation, Special Setup pro Taste |
| Speicherplätze | 64 Presets, 64 User‑Patches, Multis |
| Erweiterungen | SR‑JV80‑Boards, JD‑800‑Kompatibilität, Vintage Expansion besonders beliebt |
| Bedienung | Menügeführt, JD‑800 als Programmer nutzbar |
| Anschlüsse | MIDI In/Out/Thru, Stereo Out, Kopfhörer |
| Rackformat | 2 HE |
| Einführungspreis | 2500 DM |
