Roland U-20

Roland u20

Roland U‑20 – Mein persönlicher Rückblick

Der Roland U‑20 war für mich immer ein typisches Kind seiner Zeit. Ein PCM‑Sample‑Synthesizer, der 1989 erschien und damals genau das bot, was man als Musiker brauchte: viele sofort spielbare Sounds, eine gute Tastatur und genug Polyphonie, um komplette Arrangements zu bauen. Gleichzeitig war er aber auch ein Gerät mit klaren Grenzen, und genau diese Grenzen haben meine Arbeitsweise damals stark geprägt.

Klang und Praxis

Der U‑20 spielte ausschließlich PCM‑Samples aus einem drei Megabyte großen ROM ab. Das war für die späten Achtziger durchaus ordentlich, aber natürlich weit entfernt von dem, was heute möglich ist. Die Engine bot keine Filter, nur Hüllkurven für Lautstärke und Tonhöhe sowie die typischen Roland‑Effekte wie Reverb, Chorus und Delay. Das war nicht viel, aber es reichte, um die Presets sinnvoll zu formen.

Der Synth war sechsfach multitimbral plus einem Drumpart und bot dreißig Stimmen Polyphonie. Auf dem Papier klingt das nach viel, aber in der Praxis musste man bei MIDI‑Aufnahmen ständig Entscheidungen treffen. Wenn man zu viele Parts gleichzeitig laufen ließ, wurden Noten abgeschnitten oder Stimmen geklaut. Das führte dazu, dass man bewusster arrangierte und genau überlegte, welche Spur wirklich notwendig war. Diese Limitierung hat mich musikalisch tatsächlich geprägt, weil man nicht einfach alles übereinander stapeln konnte.

Was den U‑20 für mich damals wertvoll machte, war seine Direktheit. Man schaltete ihn ein und hatte sofort eine große Auswahl an brauchbaren Sounds: Pianos, Bells, Shakuhachi, Gitarren, Pads, Streicher. Viele dieser Klänge wurden durch den U‑20 extrem populär und tauchten später auch in den JV‑ und XV‑Serien wieder auf.

Bedienung und Ausstattung

Die Tastatur war anschlagdynamisch und bot Aftertouch, auch wenn dieser in der Praxis kaum nutzbar war, weil man viel zu viel Druck brauchte. Dazu kamen ein Arpeggiator, eine Chord‑Play‑Funktion und zwei frei belegbare Sliders. Für damalige Verhältnisse war das ein sehr vollständiges Paket.

Der U‑20 war kein Synthesizer zum Schrauben. Ohne Filter und mit begrenzten Editiermöglichkeiten war Sounddesign praktisch nicht möglich. Das kleine Display machte das Editieren zusätzlich mühsam. Trotzdem war der Synth ein zuverlässiges Werkzeug, das im Studio wie auch live einfach funktionierte.

Schwachstellen und bekannte Probleme

Der U‑20 hatte einige typische Schwächen seiner Generation. Das kleine Display erschwerte die Bedienung, und die fehlenden Filter schränkten die Klanggestaltung stark ein. Ein echtes Problem war das berüchtigte rote Epoxidharz, das aus den Tasten laufen konnte und Geräte beschädigte. Viele U‑20 und auch einige JV‑Modelle sind daran gescheitert.

Trotzdem war der U‑20 ein Instrument, das man ernst nehmen musste, weil es in vielen Studios und Bands einfach seinen Job gemacht hat.

Musikalische Bedeutung

Rückblickend sehe ich den Roland U‑20 als ein ehrliches Werkzeug. Er war kein Synthesizer für Klangtüftler, sondern ein Preset‑Instrument, das sofort einsatzbereit war und mit dem man komplette Arrangements bauen konnte, solange man die Stimmenzahl im Blick behielt.

Für mich ist er ein Stück persönlicher Musikgeschichte, weil er mich gezwungen hat, bewusster zu arbeiten und musikalische Entscheidungen zu treffen, anstatt alles mit Sounds zu überladen. Genau das macht ihn für mich heute noch interessant: ein klar begrenztes, aber musikalisch wertvolles Instrument aus einer Zeit, in der man mit wenig viel erreichen musste.

Technische Daten des Roland U‑20

MerkmalWert
HerstellerRoland
ModellU‑20
Erscheinungsjahr1989
SyntheseartPCM‑Sample‑Playback
ROM‑Speicher3 MB PCM‑Wellenformen
Polyphonie30 Stimmen
Multitimbralität6 Parts + Drumpart
Presets128 Tones, 64 Patches
ErweiterungenPCM‑ROM‑Karten
EffekteReverb, Chorus, Delay
Tastatur61 Tasten, Velocity, Aftertouch (schwer auslösbar)
Controller2 frei belegbare Sliders
FunktionenArpeggiator, Chord‑Play
Display16‑Zeichen‑LCD
AnschlüsseMIDI In/Out/Thru, Stereo Out, Kopfhörer
BesonderheitenKein Filter, begrenzte Editiermöglichkeiten
Bekannte ProblemeRotes Epoxidharz in der Tastaturmechanik
Gewichtca. 7,5 kg
Neupreisca. 1.500–1.700 DM