Ich arbeite inzwischen regelmäßig mit den UAFX‑Pedalen, und gerade Dream ’65, Lion ’68 und der Enigmatic ’82 gehören bei mir fest zum Alltag. Dazu kommen die üblichen UA‑Effekte, die ich inzwischen gut kenne. Als Universal Audio dann das Paradise Guitar Studio veröffentlicht hat, war für mich sofort klar, dass ich mir das genauer ansehen muss.

Spannend war für mich vor allem der komplette Amp‑Katalog: Dream ’65, Ruby ’63, Lion ’68, Woodrow ’55, Enigmatic ’82, die beiden Marshall‑Varianten, die Vox‑Modelle und vor allem der Showtime ’64 – ein Amp, den ich bisher nicht als Pedal habe und der für mich damit komplett neu ist. Den gibt es als UAFX‑Pedal ja auch gar nicht, also quasi ein Bonus, den ich bisher nur aus Hardware‑Sessions kannte.
Installation und Autorisation
Der Kauf war problemlos. Nach der Installation von UA Connect und der Paradise Software musste ich lediglich UA Connect starten. Das Programm hat Paradise sofort erkannt und automatisch autorisiert. Es waren keine zusätzlichen Eingaben nötig und der gesamte Vorgang war in wenigen Minuten abgeschlossen. Insgesamt war der Einstieg deutlich unkomplizierter als bei vielen anderen Audio- Anwendungen.
Erste Eindrücke beim Öffnen des Plug ins
Beim ersten Start wirkt die Oberfläche übersichtlich und klar strukturiert. Die Amp Auswahl steht sofort im Mittelpunkt und man muss sich nicht durch verschachtelte Menüs arbeiten. Die gesamte Darstellung erinnert weniger an ein Studio Werkzeug und deutlich mehr an ein Live-Pedalboard. Wer schon einmal einen echten Amp mit Pedalen gespielt hat, findet sich hier ohne Umgewöhnung zurecht. Alles ist logisch angeordnet und vermittelt den Eindruck, dass man direkt loslegen kann, ohne sich lange einarbeiten zu müssen.

Aufbau der Oberfläche
Die obere Signalreihe entspricht dem, was man heute von Geräten wie dem Kemper oder dem Fender Tonemaster Pro kennt. Dort befindet sich die komplette Effektkette, die man frei bestücken kann. In der Mitte steht der Amp mit der Cab Simulation. Davor gibt es fünf Plätze für Pedale und hinter dem Amp ebenfalls fünf Plätze. Das entspricht einem klassischen Livepedalboard, bei dem man die Effekte vor und nach dem Amp frei anordnen kann.
Die linke Hälfte zeigt den aktuell ausgewählten Amp. Ein Klick genügt, um zwischen den Modellen zu wechseln. Die rechte Hälfte zeigt die Cab und Mikrofon Kombinationen, die man ebenfalls direkt anwählen kann. Im unteren Bereich befinden sich die Regler des gewählten Amps, also Gain, Volume, EQ und weitere Parameter.
Oben rechts befindet sich der Roomregler, mit dem man dem Amp ein räumliches Gefühl geben kann. Diese Funktion ist in dieser Form ungewöhnlich, ich habe sie in anderen Amp Simulationen bisher nicht gesehen. Oben links gibt es ein Gate, das man dort ein und ausschalten und einstellen kann. Im oberen Menü sieht man das aktuelle Preset, davor befindet sich ein Stimmgerät und danach die allgemeinen Einstellungen sowie ein Metronom.
Spielgefühl und Klang
Ich habe mir als erstes den Enigmatic eingestellt, weil ich ihn auch auf meinem Studioboard häufig nutze. Die Struktur im Plug-In entspricht genau dem, was man von einem echten Amp mit Pedalen kennt. Ich habe den Kompressor und ein Drivepedal vor den Amp gesetzt und danach Studio EQ, Delay und Reverb.
Diese Arbeitsweise fühlt sich sofort vertraut an und man muss sich nicht umgewöhnen. Die Reaktion des Amps wirkt direkt und dynamisch, Anschlag und Lautstärkeverhalten erinnern stark an das, was ich von meinen UAFX Pedalen gewohnt bin. Der Enigmatic reagiert sauber auf unterschiedliche Spielstärken und liefert das typische weiche und gleichzeitig definierte Verhalten, das ich auch im Hardwarepedal schätze. Insgesamt entsteht sehr schnell das Gefühl, einen echten Amp mit einer klassischen Effektkette zu spielen und nicht eine rein digitale Simulation.

Ampmodelle und Pedale im Überblick
Amps
- Showtime 64 Ein klassischer Röhrenamp aus der frühen bis mittleren Sechzigerjahren. Die UA‑Seite führt ihn als eigenständiges Modell ohne Pedalvorbild. Er steht für warme Cleans und leichte Röhrenkompression.
- Lion 68 – Marshall Super Lead 1959 (Plexi) Ein Amp mit mehreren Varianten wie Lead, Brown und Bass. Die Namensgebung und Struktur entsprechen einem späten Sechzigerjahre Super Lead. Typisch für britische Rocksounds.
- Dream 65 – Fender Deluxe Reverb (Blackface) Ein klassischer Blackface‑Amp der Mitte Sechzigerjahre mit Reverb. Saubere Cleans, viel Headroom und ein typischer Fender‑Charakter.
- Woodrow 55 – Fender Tweed Deluxe (5E3) Ein Tweed‑Amp der Fünfzigerjahre. Bekannt für frühe Crunchsounds und warme Cleans.
- Ruby 63 – Vox AC30 Top Boost Ein Amp aus der frühen Sechzigerjahre mit Top‑Boost‑Schaltung. Typisch für klare Höhen und britische Cleans.
- Enigmatic 82 – Dumble Overdrive Special Ein Boutique‑Amp aus den frühen Achtzigerjahren mit mehreren Varianten wie Suede, Silver, Cream und Black. Bekannt für dynamische Cleans und kontrollierte Overdrive‑Sounds.

Pedale
Die Pedale decken genau die Effektkategorien ab, die ich aus klassischen Gitarrensetups kennt. Für mich ist das sofort vertraut, weil ich mit diesen Typen seit Jahren arbeite. Overdrive, Fuzz, Modulation, Delay, Reverb, EQ und Kompression.
Interessant finde ich vor allem, wie sich die virtuellen Pedale spielen. Viele digitale Effekte klingen zwar nach dem Vorbild, fühlen sich aber nicht so an. Bei den UA‑Pedalen ist das anders: Die Overdrives reagieren dynamisch, die Fuzzes haben diese typische, leicht unberechenbare Obertonstruktur, und die Modulationseffekte besitzen die Tiefe, die man sonst nur von gut gewarteten Vintage‑Geräten kennt.
Ich denke bei diesen Effekten nicht darüber nach, ob sie digital sind oder nicht. Sie verhalten sich musikalisch so, dass ich einfach spiele und nicht darüber nachdenke. Genau deshalb liste ich sie hier auf.
| Pedal | Originalvorbild | Pedal | Originalvorbild |
|---|---|---|---|
| TS OD | Ibanez Tube Screamer | Gold OD | Klon Centaur |
| Big Fuzz | Electro Harmonix Big Muff | RAW Distortion | Boss DS‑1 |
| Nashville OD | Nobels ODR‑1 | Vintage Fuzz | Maestro FZ‑1 / FZ‑1A |
| Brigade Chorus | Boss CE‑1 | Orange Phaser | MXR Phase 90 |
| Blue Flanger | MXR M117 | Multi Chorus | TC Electronic SCF |
| Vintage Vibrato | Boss VB‑2 | Trem 65 | Fender Blackface Opto Tremolo |
| Micropitch Shifter | Eventide H3000 | Red Comp | MXR Dyna Comp |
| 1176 Compressor | Universal Audio 1176LN | Analog Memory Delay | Electro Harmonix Memory Man |
| EP III Tape Echo | Maestro Echoplex EP‑3 | Digital Delay | Boss DD‑2 / DD‑3 |
| Pitch Shift Delay | Eventide H3000 | Spring 65 Reverb | Fender Blackface Spring Reverb |
| Digital Reverb | Yamaha SPX90 | Plate 140 Reverb | EMT 140 |
| Reverb 224 | Lexicon 224 | 10 Band EQ | MXR 10 Band |
| Studio EQ | UA Studio EQ | Volume | Ernie Ball Volume Pedal |

Vergleich zu den UAFX Pedalen
Da ich Dream, Lion und Enigmatic täglich auf meinem Studioboard nutze, war der direkte Vergleich für mich besonders wichtig. Die Reaktion der Amps in Paradise kommt den UAFX Pedalen sehr nahe. Anschlag, Dynamik und Lautstärkeverhalten wirken vertraut und man merkt sofort, dass die Modelle auf derselben Grundlage basieren. Der Enigmatic verhält sich im Plug in fast identisch zu seinem Hardwarependant. Clean und leicht angezerrte Bereiche reagieren genauso kontrolliert und auch bei stärkerem Drive bleibt der Ton definiert.
Ein Punkt ist hier besonders wichtig. Der richtige Pegel ist das entscheidende Element für den gesamten Klang. Zu wenig Pegel lässt den Amp flach und kraftlos wirken, zu viel Pegel führt schnell zu einem übersteuerten und unnatürlichen Sound. Das gilt sowohl für die Eingangsstufe des Amps als auch für die Effekte davor und dahinter. Wenn der Pegel nicht stimmt, kann der komplette Klangcharakter verloren gehen. Mit korrekter Einstellung reagiert Paradise genauso sauber wie die UAFX Pedale und liefert die gleiche Dynamik und Kontrolle.
Beim Dream und Lion fällt auf, dass die Cab Simulationen im Plug in etwas flexibler wirken, weil man schneller zwischen verschiedenen Mikrofonen und Boxen wechseln kann. Die Hardwarepedale klingen dagegen etwas direkter, was vermutlich an der festen Signalführung liegt. Insgesamt liefert Paradise eine sehr ähnliche Spielerfahrung, bietet aber durch die freie Effektkette und die Cab Auswahl mehr Variationsmöglichkeiten als die Pedale.






Fazit
Paradise Guitar Studio hinterlässt einen sehr ausgereiften Eindruck. Die Oberfläche ist klar strukturiert und erinnert eher an ein echtes Livepedalboard als an eine klassische Software. Die Ampmodelle reagieren dynamisch und vertraut, besonders wenn man die UAFX Pedale kennt.
Die freie Effektkette vor und hinter dem Amp bietet mehr Flexibilität als die Hardware und macht das Arbeiten sehr intuitiv. Entscheidend für den Klang ist der richtige Pegel, denn zu wenig oder zu viel kann den gesamten Soundcharakter verändern. Wenn der Pegel stimmt, liefert Paradise eine natürliche Ansprache und ein Spielgefühl, das sich kaum von den Pedalen unterscheidet. Insgesamt ist die Suite ein sehr gelungenes Werkzeug für alle, die die UAFX Amps in einer flexiblen Softwareumgebung nutzen möchten.
Sehr gelungen finde ich die grafische Gestaltung der Pedale. Sie sind optisch so nah an den Originalen orientiert, dass man als Gitarrist sofort erkennt, womit man es zu tun hat. Ein Tube Screamer sieht aus wie ein Tube Screamer, ein Big Muff wie ein Big Muff und ein Dyna Comp wie ein Dyna Comp. Dadurch weiß man auf Anhieb, wie die Regler reagieren und wie man das Pedal einstellen muss. Diese visuelle Nähe zu den echten Geräten erleichtert den Einstieg enorm und sorgt dafür, dass man sich sofort zurechtfindet, ohne lange überlegen zu müssen.

